Der Preis der Anpassung.
Ein Kind, das sich anpasst, um dazuzugehören, bezahlt dafür einen hohen Preis.
Bestimmte Gefühle passen in das System der Bezugspersonen nicht hinein. Sie haben andere Vorstellungen, wie das Kind zu sein hat und nicht, wie das Kind tatsächlich ist. Eifersucht, Neid, Zorn, Verlassenheit, Ohnmacht, Angst, sind z.B. Gefühle die nicht gezeigt werden dürfen (Alice Miller).
Also verschwinden die Gefühle aus dem Bewusstsein des Kindes. Nicht aus dem Menschen. Die Gefühle sind weiterhin da, sie werden nur abgeschnitten, bevor sie spürbar werden. Die Psychologie nennt das Abspaltung.
Warum ein Kind so weit geht, zeigt ein Blick auf die Folgen. Zeigt es seine Wut, riskiert es die Liebe der Eltern. Und dieser Verlust wirkt für ein kleines Kind existenzbedrohend.
Deshalb „tötet" das Kind lieber seine Wut, wie Alice Miller es nennt. Und damit ein Stück der eigenen Lebendigkeit, um die Bindung zu sichern.
Was danach bleibt, ist ein falsches Selbst (Donald Winnicott). Es zeigt genau das, was erwartet wird und funktioniert ausgezeichnet. Mit der Zeit verschmilzt der Mensch so sehr damit, dass er den Unterschied selbst nicht mehr kennt. Unbewusst. Der Zugang zum eigenen Erleben geht verloren.
Wer früh gelernt hat, dass die eigenen Gefühle im Weg stehen, weiß als Erwachsener oft nicht mehr, was er selbst will. Viele beschreiben das als Leere.
Der Selbstwert kommt dann von außen, weil er von innen keinen Halt hat.
Von hier können zwei Wege führen.
➡️ Der eine geht über Größe: Leistung, Auftritt, Bewunderung. Der grandiose Narzissmus.
➡️ Der andere geht über Unentbehrlichkeit: Immer da, immer hilfsbereit, immer gebraucht. Der vulnerable oder verdeckte Narzissmus. Hilfsbereitschaft allein ist dafür kein Hinweis.
Für beide Wege gilt: Diese Menschen sind hellwach für das, was von ihnen erwartet wird. Nicht zu verwechseln mit Empathie. Ausgeprägt ist vielmehr die Wachsamkeit für Erwartungen und für die eigene Wirkung.
⚠️ Und genau die entfaltet im Auswahlgespräch ihre volle Kraft.
Da sitzt jemand, der spürt, was gehört werden will, und liefert es. Das Gespür läuft automatisch, der Einsatz ist geübt. Am Ende sind alle im Raum überzeugt, die ideale Besetzung gefunden zu haben.
Die Eignungsdiagnostik nennt das Impression Management. Die Steuerung des eigenen Eindrucks.
Was hilft dagegen? Nur ein fundiertes eignungsdiagnostisches Verfahren.
Wer den Eindruck zum Maßstab macht, wählt den besten Auftritt.
Wer das Verfahren zum Maßstab macht, wählt die richtige Person.
PS: Diese Modelle stammen aus der Psychoanalyse und aus klinischer Beobachtung. Sie sind Theoriepositionen, keine empirisch geprüften Ursachenketten.