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3. Dunkle Tetrade. Narzissmus: Unterhalb der Diagnose Persönlichkeitsstörung

Mitten im Unternehmen.

Die klinische Diagnose betrifft rund 1% der Bevölkerung. Im Arbeitsalltag geht es fast immer um schwächere Ausprägungen. Und die kommen sehr viel häufiger vor.

Das Spektrum

Narzissmus kommt in Abstufungen. Am besten stellt man sich eine Skala vor, die beim gesunden Selbstwert beginnt und bei der krankhaften Ausprägung endet. Der Psychologe Craig Malkin spannt sie von 0 bis 10.

Am unteren Ende der Skala steht gesunde Selbstliebe. Sie sorgt dafür, dass jemand für sich einsteht, sich etwas zutraut und Leistung bringt.

Darüber liegen leicht akzentuierte Züge. Jemand nimmt mehr Raum ein, spricht gern über sich, braucht Zuspruch. Anstrengend für die Umgebung, mehr nicht.

Weiter oben folgen stark akzentuierte Ausprägungen. Hier wird es für andere spürbar.

Am oberen Ende steht die krankhafte Form, der pathologische Narzissmus.
Die meisten Menschen bewegen sich auf dieser gesamten Skala, je nach Situation und Lebensphase. Ein gesundes Maß Narzissmus gehört demnach dazu und jeder trägt es in sich. Ohne Selbstwert entsteht weder Antrieb noch Durchsetzungskraft.

Wo es kippt 

Der Punkt liegt dort, wo jemand sich groß macht, indem er andere klein macht.

Ab hier entsteht Schaden. Untersuchungen zu destruktiver Führung zeigen sinkende Arbeitszufriedenheit, wachsende Kündigungsabsicht und geringeres Wohlbefinden der Mitarbeitenden (Schyns, Schilling 2013).

Warum so viele unter dem Radar laufen

Wer sich im oberen Bereich der Ausprägung bewegt, sieht bei sich kein Problem. Es fehlt der Leidensdruck, der zum Arzt führen würde. Gesucht wird ein Coach. Damit bleibt die Struktur außerhalb der Diagnostik.

Erfasst wird nur, wer in klinische Behandlung kommt. Wie groß der Teil darunter ist, lässt sich seriös kaum beziffern.

Im Auswahlverfahren

Dominantes, extravertiertes und charismatisches Auftreten entspricht dem gängigen Bild von Führung. Deshalb werden diese Menschen ausgewählt.

Diese Züge helfen beim Aufstieg. Über die spätere Leistung in der Rolle sagen sie wenig aus (Grijalva et al. 2015).

Und hier liegt die Schwierigkeit. Durchsetzungsstärke, Präsenz und Selbstvertrauen sind für viele Positionen erforderlich. Die Frage lautet, an welcher Stelle sie kippen.

Diese Frage beantwortet kein Bauchgefühl. Sie verlangt ein exzellent aufgesetztes Auswahlverfahren, in dem vorher feststeht, worauf zu achten ist. Alles andere überlässt die Entscheidung dem ersten Eindruck.

Verhalten lässt sich verändern. Die Persönlichkeitsstruktur darunter bleibt. Kein Coaching und kein Feedbackgespräch erreichen diese Ebene.

Deshalb entscheidet die Auswahl, nicht die Nachbesserung.